Tora mit Onkelos, Megillot und Haftarot

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Seite aus der ToraZu den wichtigeren hebräischen Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg gehört die Handschrift ″H62/MS 1252″ mit 225 Pergamentblättern
(36,5 x 51 cm). Sie enthält zunächst den in Paraschot (Wochenlesungen) gegliederten Text der Tora, dem jeweils versweise die aramäische Paraphrase aus dem Targum Onkelos (Bl. 1r-166v) folgt. Daran schließen sich die fünf Festrollen (Hohelied, Rut, Kohelet, Klagelieder, Ester; Bl. 166v-183v) sowie die Haftarot genannten Leseabschnitte aus den Prophetenbüchern (Bl. 183v-224v) an.

Die Handschrift ist in schöner aschkenasischer Quadratschrift abgefasst und dürfte ins 13. Jh. n. Chr. zu datieren sein (anders Irmischer, 1, und Lutze, 273, die sie ins 15. Jh. datieren). Der Text ist vokalisiert und akzentuiert sowie mit einer Masora magna und Masora parva versehen (abgesehen von einzelnen unvokalisierten Versen v.a. im Bereich der Haftarot). Hauptsächlich wird der Text in drei Spalten wiedergegeben; Ausnahmen bilden die Darstellungen einzelner poetischer Texte oder der letzten Seite eines Buches (z.B. Bl. 55v; 115r; 192r u.a.).

Leider ist die Handschrift nicht vollständig erhalten: So fehlen nicht nur der Anfang (der Text setzt erst bei Ex 27,29 ein), sondern auch innerhalb der Handschrift eine Lage (Lev 4,34-10,4) und einzelne Blätter (Num 10,17-11,21). Möglicherweise indizieren die Lagenzählung auf dem letzten Blatt (224v) und der nicht vollständige letzte Vers (1 Kön 9,1), dass die Handschrift auch noch die Haftarot weiterer besonderer Schabbatot enthalten haben dürfte (vgl. Roth, 43).

Auch wenn die Handschrift in ihrer Textauswahl liturgisch orientiert ist, dürfte sie als Codex wohl kaum in jüdischen Gottesdiensten bzw. Festliturgien verwendet worden sein. Gelegentlich auftretende Marginalien von unterschiedlicher Hand und Datierung könnten möglicherweise auf ihre Verwendung zur Vorbereitung von Gottesdiensten oder zu Studienzwecken hinweisen.

Eine Besonderheit der Handschrift sind die einfarbigen Illustrationen und Verzierungen, die insbesondere im Bereich der Tora sowie gelegentlich bei den Buchanfängen der Festrollen auftreten (z.B. Bl. 56r; 115v; 166v; 168v; 175v). Allerdings finden sich vor allem im Buch Leviticus weitere Illustrationen und Skizzen, hauptsächlich von Pflanzenornamenten oder Tieren. Über die von E. Lutze (ders., 273) und E. Roth (ders., 43) bereits beschriebenen Illustrationen hinaus sind hier beispielsweise die Skizzen auf Bl. 38r; 44v; 45r und 165r zu nennen.

Die Handschrift wurde zu unterschiedlichen Zeiten mit zwei gegenläufigen Blattzählungen versehen. Eine folgt der hebräischen Leserichtung und nummeriert von rechts nach links, die andere folgt der lateinischen Leserichtung. Diese ″lateinische″ Nummerierung beginnt am Ende des Buches und wird lediglich in eckigen Klammern angegeben, da sich ein Teil der Literatur auf diese Zählung bezieht.

Die Handschrift stammt aus der ehemaligen Universitätsbibliothek Altdorf, wie eine Eintragung im hinteren (bzw. in hebräischer Leserichtung vorderen) Einbanddeckel ausweist; weitere Provenienzvermerke fehlen. Die Eintragung ″Altd. Theol. p. 112. N. 144. // Am. I.″ nimmt Bezug auf das entsprechende Katalogisat im zweiten Band des vierbändigen handschriftlichen Realkatalogs der Altdorfer Bibliotheken, der die Titel des Faches Theologie verzeichnet und den der Bibliothekar Christoph Bonaventura Herzer in den Jahren 1748/49 angefertigt hatte (Catalogus librorum Theologicorum Bibliothecae Publicae Academiae Altdorfinae). Die seit 1623 bestehende Universität Altdorf wurde im Jahr 1809 aufgelöst. Die Bücher der Altdorfer Bibliotheken kamen in den Jahren 1818/19 in die Universitätsbibliothek Erlangen.

Literatur:

  • Irmischer, Johann Konrad: Handschriften-Katalog der Königlichen Universitäts-Bibliothek zu Erlangen, Frankfurt a.M. und Erlangen 1852.
  • Lutze, Eberhard: Die Bilderhandschriften der Universitätsbibliothek Erlangen, Erlangen 1936.
  • Roth, Ernst / Striedl, Hans: Hebräische Handschriften, Bd. 2 (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland 6,2), Wiesbaden 1965.

Delia Klingler

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