Bild aus der GumbertusbibelUm 1100 entstand in Ober-bzw. Mittelitalien eine neue Art von illuminierten Bibeln, die sogenannten romanischen Riesenbibeln im Großfolioformat mit überaus reichem Bilderschmuck. Unter den wenigen erhaltenen Exemplaren gehört die Gumbertusbibel, die sich heute in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg befindet, zu den größten und am reichsten illuminierten Handschriften. Sie wurde zwischen 1175 und 1195 geschrieben, ob in Regensburg oder Salzburg, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt, und enthält 39 Miniaturen, 16 Ganzbildseiten und 65 Schmuckinitialen.

Die Gumbertusbibel gehörte zu den kostbarsten Schätzen der Ansbacher Stiftsbibliothek. Mitte des 8. Jahrhunderts gründete der fränkische Edelfreie und später heiliggesprochene Gumprecht, latinisiert Gumbertus, ein Benediktinerkloster in Ansbach, das kurz nach der Jahrtausendwende in ein Chorherrenstift umgewandelt wurde. Im Jahre 1195 kaufte der damalige Stiftsdekan von St. Gumbertus, Gotebold, für die damals immense Summe von 12 Talenten die berühmte Gumbertusbibel. Das Werk war so teuer, dass auch die Ansbacher Bürger dazu ansehnliche Geldbeträge beisteuerten. Nach der Auflösung des Gumbertusstifts kam die Stiftsbibliothek in die neu gegründete Konsistorialbibliothek in Ansbach und von dort 1733 in die Schlossbibliothek der Ansbacher Markgrafen. Kurz bevor Preußen im Zuge der napoleonischen Politik das Markgraftum Ansbach an Bayern abtreten musste, ließ König Friedrich III. die Schlossbibliothek in das damals noch preußische Erlangen überführen. So kam die Gumbertusbibel zusammen mit vielen anderen Schätzen in die Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, wo sie noch heute aufbewahrt wird und zu den größten Kostbarkeiten der Bibliothek zählt.

Bislang wurde die Erlanger Gumbertusbibel nur bei ganz besonderen Gelegenheiten einem breiteren Publikum präsentiert: so im Jahre 1993 zum 250jährigen Jubiläum der Friedrich-Alexander-Universität und 1998 zur 1250 Jahrfeier der Stadt Ansbach. In den nächsten Jahren werden sich international bekannte Wissenschaftler intensiv mit der Erforschung dieser Handschrift befassen. Höhepunkte werden ein Symposium und eine Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg im Frühjahr 2014 sein.

Die Gumbertusbibel wurde mit einem Kompaktscanner Book2net Flash A1 der Firma Microbox digitalisiert, der sensorgesteuert aus einer fest montierten Position heraus automatisch blitzt und beleuchtet. Die Digitalisierung mit dem "Grazer Buchtisch" schied aufgrund der Größe des Objekts aus. Die nicht stabil gebundene Bibel wurde bei den Aufnahmen abgestützt und speziell gelagert. Glasplatten kamen aus konservatorischen Gründen nicht zum Einsatz. Sehr wellige Pergamentseiten wurden mit so genannten "Münchener Fingern" vorsichtig plan gehalten. Schattenbildungen im Buchfalz, weiße Lichtreflexionen an sehr welligen Stellen, schiefe Bindung, Unebenheiten und Fehlstellen der Seiten sollen in der digitalen Version sichtbar bleiben und wurden nicht im Nachhinein softwareseitig retuschiert.

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